Wissenswertes f�r Eltern



Viele Eltern fragen uns besorgt ob das Shisharauchen schädlich für Ihr Kind ist.
Dazu stellen wir einen Bericht der TAZ vom 04.08.2006 ein.

Wir finden das dieser Bericht sehr objektiv und gut verständlich gehalten ist.
Entscheiden muß dann natürlich jeder für sich selbst, ob er seinen Kindern
das Shisha rauchen erlaubt oder nicht.


Wenn Gruppen nuckeln ...
Der Drogenkrieg hat sich auf Balkone und in Jugendzimmer verlagert,
und Fachleute liefern Studien zur Frage: Sollen wir unseren Kindern die
Wasserpfeife nun verbieten oder erlauben ?
von Barbara Dribbusch

Eigentlich ist es doch eine gute Nachricht: Vorbei die Zeiten, in denen sich viele Eltern ÃŒber die
Gefährlichkeit von Haschisch, Kokain oder Ecstasy Gedanken machen mussten, wenn sie sich
über die Freizeitgestaltung ihrer Kinder im Teenageralter sorgten.

Heute gibt es eine Alternative, die Eltern mit pubertierenden Kindern ein harmloserers Reizthema
beschert. Harmlos ? Von wegen ! Oder doch ?  Der Kult um die Wasserpfeide löst neue
Erziehungsdebatten aus.

Dabei ist der Glaubenskrieg über die "Gefährlichkeit" der Wasserpfeifen noch lange nicht entschieden.
Die wohl meistzitierten Daten zum Thema stammen vom Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung
(BfR), das einige bereits existierende Studien durcharbeitete und in dieser Woche ein aktualisiertes
Papier dazu ins Internet stellte.

Das Institut kommt darin zu dem Ergebnis, dass der Gebrauch einer Shisha "kaum weniger schÀdlich
ist als der Konsum von Zigaretten. Auch die Suchtgefahr ist vergleichbar."

Doch wer sich in der Metastudie die Tabellen über Nikotin- und Teerkonzentration anschaut, muss die
Angelegenheit differenziert betrachten. So enthält beispielsweise der Rauch einer filterlosen Zigarette
laut Tabelle bis zu 3 Milligram Nikotin. Eine Wasserpfeife mit verhältnismäßig großem Tabakkopf für
10 Gramm Tabak stößt hingegen 2,25 Milligram Nikotin aus. Eine mittelstarke Filterzigarette hat rund
1 Milligram Nikotin im Rauch. Eine Wasserpfeife entspricht also im Schnitt von der Nikotinmenge her
den Rauch zweier mittelstarker Zigaretten - und genau diese Menge wird teilweise auch in Shishabars
auf den Tabak- und Getränkekarten angegeben.

Mit der Teerkonzentration sieht es anders aus: Danach ist im Rauch einer Shisha fast 10-mal so viel
Teer enthalten wie in einer filterlosen Zigarette. "Auffällig sind die - im Vergleich zur filterlosen Zigarette -
hohen Werte für Teer- und Kohlenmonoxid", schreiben die BfR-Forscher. Doch diese Vergleiche sind
mit Vorsicht zu genießen: Der Wassergehalt des Shishateers sei "wesentlich höher" als in Zigaretten,
entsprechend weniger hoch ist die Schadstoffkonzentration.

Direkte Vergleiche der Wasserpfeife mit Zigaretten sind ohnehin so eine Sache: So braucht man 100
Züge, um eine Wasserpfeife mit rund 2 Milligram Nikotin aufzurauchen, aber nur 16 Züge, um zwei
Zigaretten mit der gleichen Nikotinmenge zu inhalieren. Der Nikotingehalt pro Zug wäre damit in einer
Zigarette 6-mal so hoch wie in einem Zug aus der Shisha. Und diese Vergleiche stimmen auch nicht
mehr, wenn Wasserpfeifenraucher gar nicht auf Lunge ziehen, sondern mitunter die Shisha mit
Apfel- oder Karamellengeschmack nur paffen, was bei Zigaretten schwer verpönt ist.

Die Unterschiede im Rauchvorgang werden daher in den entsprechenden Internetforen von den Fans
der Wasserpfeife immer wieder beschworen: "Shisha rauchen ist einfach nur chillig", heißt es.
Während man für eine Zigarette nur 5 Minuten braucht, saugen Gruppen mitunter bis zu 50 Minuten an
einer Wasserpfeife. Durch das Gruppennuckeln können dabei allerdings Viren übertragen werden.
Das BfR empfiehlt auf jeden Fall die Verwendung von Einmalmundstücken.

Vor anderthalb Jahren startete das Institut seine Recherche zu den Gesundheitsgefahren "aufgrund
einer Verbraucheranfrage", erzählt Thomas Schulz, Mitarbeiter beim BfR. Heute habe das Institut
sehr viel Kommunikation mit Wasserpfeifennnutzern. Inzwischen wird auch im BfR versuchsweise
geraucht.

Was tun also mit dem halbwüchsigen Nachwuchs, dem man ja auch das Zigarettenrauchen nicht
erlauben würde ? Das währe die Variante Totalverbot:  "Eine Einstiegsdroge" für den Zigarettenkonsum
stelle das Rauchen einer Wasserpfeife dar, meint beispielsweise ein Berliner Kinderarzt, der seinem
Nachwuchs kurzerhand die Shisha verboten hat. Variante zwei ist die Halbtoleranz "Einmal im Monat
und zu besonderen Anlässen ist es okay", sagt die Journalistin, die aber zu Hause keine Wasserpfeife
bei ihrer halbwüchsigen Tochter sehen will.

Variante drei ist häusliche Toleranz: "Verbieten ist doch Käse", meint die Werbegrafikerin, die ihren
14 und 15 Jahre alten Söhnen eine Shisha schenkte und gestattet, ab und zu daheim auf dem Balkon
oder im Urlaub zu schmauchen, "aber bitte nicht auf Lunge!"  Zumal jede Ächtung die einschlägige
Subkultur nur stärkt. Das war beim Haschisch schon so. Und ist bei der Shisha nicht anders.



 


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